Monique
Lucienne
Manie, Depression... Depression, Manie...
Bipolare Zyclothymie...
Zum Himmel hoch jauchzend, zu Tode betrübt...
Zu Tode betrübt? Betrübt? Nein, nicht nur
"betrübt". Ich wünsche mir den Tod, wenn ich depressiv bin.,
dann kann ich an nichts anderes mehr denken.
Das ist nur eine Phase.
Phase... Das geht vorbei.
Phase... Das kommt und geht.
Zur Zeit bin ich in einer "guten Phase".Ich bin
weder zu Tode betrübt, noch bin ich zum Himmel hoch jauchzend.
Es geht mir gut.
Einfach nur gut.
Geht es mir wirklich gut?
Ab und zu spüre ich, daß mir Flügel wachsen. Ganz
kurz fliege ich davon. Mein Körper schwebt über der Erde.
Es dauert nicht sehr lange, dann spüre ich wieder den Boden unter meinen
Füßen. Höhen und Tiefen,
so nennt man diesen Zustand, oder Phase.. Man kann es auch "Bipolare
Zyclothymie" nennen.
Eine Krankheit hört sich einfach besser an, wenn
man die medizinischen Bezeichnung dafür benutzt.
In der Psychiatrie ist das noch viel eindrucksvoller.
Sie ist „Manisch-Depressiv“... damit können die meisten Leute nichts anfangen.
Mit der Zyclothymie zwar auch nicht, aber es hört sich gut an.
„Sie ist Bipolar, zyclothymisch.“ Sie wollen
wissen, interessieren sich.
Eine Krankheit, von der man noch nichts weiß, ist immer interessant.
„Sie ist manisch-depressiv“... Sie hören nur
„depressiv“ ... Schweigen. Über Depressionen spricht man nicht,
so etwas haben nur die anderen. Auch wenn die Manie ihnen kein Begriff ist,
werden sie dich nicht weiter fragen.
Allein das Wort Depression löst so ein Unbehagen aus, das man erst gar nicht
wissen will , was das andere Wort bedeutet,
es gehört dazu, also hat es auch etwas mit der Psyche zu tun... Man schweigt.
Psychische Krankheiten kann man sowieso nicht erklären.
"Psychisch" hat immer etwas mit unserem geistigen
Zustand zu tun.
Wenn der Geist erkrankt, wenn deine Seele auf Eis liegt, gehörst du nicht
mehr in die „normale“ Welt.
In der Depression, ziehst du dich von ganz alleine
zurück, damit dich niemand noch mehr verletzen kann,
es ist so schon schwer genug zu ertragen. Die guten Ratschläge, die angeblichen
Hilfestellungen, das
"Verständnis", das Mittleid, das alles macht es nur noch schlimmer.
Du bist ganz alleine, niemand kann dir helfen. Vom
Psychiater kannst du nur bedingt Hilfe erwarten.
In der Regel versucht er wieder ein neues Medikament an dir aus, das dir
vielleicht hilft... Vielleicht... für eine gewisse Zeit.
In der Manie bist du in einer anderen Welt. Eine
Welt die niemand versteht. Wie sollten sie auch.
Der „gesunde“ lebt in der „Normalen“ Welt, die er für sich so geschaffen hat,
daß er darin das "Anderssein"
nicht akzeptieren kann, oder will. Das Andere, das Fremde macht Angst.
In dieser „normalen“ Welt, gibt es auch Kranke.
Mit manchen Kranken kann man ganz gut leben, mit anderen weniger.
Es kann sein , daß man an einer Krankheit sterben muß. Mit dem Tot ist das auch
so eine Sache.
Die wenigsten können damit umgehen.
Tot macht Angst, und was Angst macht, kann man schlecht ertragen.
So ist es auch mit der Manie, mit den psychischen
Krankheiten sowieso. Was man nicht versteht, macht Angst.
Die Angst vor der Angst macht uns Angst.
... Und Angst ist Grenze.
Grenzen sollte man nicht überschreiten, oder
vielleicht gerade doch?
Erst wenn wir es wagen die Grenzen zu überschreiten, zu ignorieren, verlieren
sie ihre Bedeutung.
"Jetzt bist du zu weit gegangen"... Diese Aussage
will uns klarmachen, dass wir eine Grenze überschritten haben.
Eine Grenze , die eine gewisse Distanz zwischen zwei Menschen, zwei Meinungen,
verschiedene Sichtweiten symbolisieren sollte.
Du hast die Regel nicht eingehalten...du hast die Grenze überschritten...
Wenn wir unsere Grenzen begreifen, wenn wir lernen
wo unsere ganz persönlichen Grenzen liegen,
dann erst können wir uns frei fühlen... trotz Grenzen.Unsere Grenzen kennen wir,
wir haben sie selbst errichtet.
Sie schützen uns.
Die Grenzen , die "wir" nicht selbst errichtet haben, sollen die anderen schützen..."vor uns".
Die Grenze zum Wahnsinn zu überschreiten, ist
meine größte Angst.
Irgendwann nicht mehr zurück zu können, zurück in die „normale“ Welt.
Wenn der Wahnsinn mir fast den Verstand raubt,
habe ich Angst.
Und doch ist es immer ein angenehmes Gefühl sich in der Manie zu bewegen.
Wenn ich tief in der Depression verharre, und das
Gefühl habe ich komme da nie wieder raus,
wünsche ich mir den Rest meines Lebens in meiner „Ver-rückten“ Welt zu
verbringen. In der Manie.
Doch in dieser Welt bin ich alleine.
Meisten verbringe ich dann viele Wochen in der
Psychiatrie.
Mit starken Medikamenten versuchen die Ärzte mir zu helfen, mich
„runterzuholen“ .Dort bin ich dann nicht mehr alleine...
Die Psychiatrie macht den „Gesunden“ Menschen
Angst. Das Fremde, das Anderssein macht immer Angst,
auch wenn man selbst davon betroffen ist. Ich werde diese Angst nie los werden,
ich bin verdammt damit zu leben .
Die Angst vor der Angst.
Wenn die Manie mir fast den Verstand raubt, habe
ich Angst nie wieder aus meiner ver-rückten Welt zurück zu kommen,
in diese scheiß-normale Welt. Wenn ich depressiv bin, wünsche ich es mir.
Alles ist mir recht, nur nicht diesen Horrorzustand länger ertragen müssen.
...Es ist nicht einfach. Ich bin Krank. Bin ich wirklich Krank?
Für deine "Krankheit", kannst du nichts. Für
deinen Zustand bist du immer selbst verantwortlich.
Auch in der Manie.
Ich aber, bin für meinen Zustand nicht mehr
verantwortlich. Ich bin ja krank.
Ich bin "Bipolar", "Zyclothymisch"... Manisch-depressiv.
Mit dieser Krankheit, muß ich jetzt leben. Es ist
keine tödliche Krankheit, doch man kann daran sterben.
Man muß nur ein wenig nachhelfen. Aber das ist leichter gesagt als getan.
Wenn ich regelmäßig meine Medikamente einnehme,
bleibe ich "stabil". "Gesund" kann ich nicht mehr werden,
da sind die Psychiater ganz sicher. Und "Stabil" ist ja fast so gut wie gesund.
Der Unterschied liegt nur in der Medikation.
......Meine Gedanken kreisen um den Tod.
Tod, den ich mir wünsche. Tod, den ich nicht
möchte. Jetzt noch nicht. "Gesunde" Menschen denken nicht an den Tod,
sie leben ganz einfach. „Stabile Kranke „ auch.
Ich wünsche mir den Tod und schaffe es nicht zu
sterben. Die wenigsten schaffen das.
Du brauchst ganz viel Mut, wenn du es selbst in die Hand nehmen willst.
Vielleicht muß es dir aber auch noch schlechter gehen...
Es kann mir doch gar nicht schlechter gehen, wenn ich das Leben nicht mehr
ertrage.
Oder vielleicht doch?Wer entscheidet , ob es mir wirklich schlecht geht? Wer
entscheidet ob für mich das Leben noch lebenswert ist?.
Ich jedenfalls nicht. Wenn ich es könnte, würde ich bestimmt schon lange nicht mehr leben.
Wer entscheidet für mich? Für uns?
Wer wird darüber entscheiden, wann meine Zeit gekommen ist?Ob ich diese Scheiße noch aushalten muss und wie lange noch?
Die Krankheit entscheidet über Leben und Tod. Oder ist es vielleicht doch Gott?
ICH möchte
darüber entscheiden können...Für mich.Ich will keinen Gott der allmächtig über
mich entscheidet.
Er lässt mir keine Freiheit. Oder vielleicht doch?
Depressiv, wünsche ich mir zu sterben, doch ich
schaffe es nicht, mich zu töten. Eine Depression ist nicht tödlich.
Man stirbt nicht einfach so daran, da muß man schon ein bißchen nachhelfen.
Selbst Hand anlegen.
Doch die Depression lähmt den "Kranken" . Depressiv bist du unfähig zu handeln.
Aber wie wäre es in der Manie?. Könnte ich es da vielleicht schaffen, obwohl ich es dann gar nicht möchte?
Die Manie gibt dir Kräfte , von denen du nie etwas
geahnt hast. In der Manie kannst du fast alles. Du kannst fliegen.
Du bist Gott ganz nahe in deiner Manie, fast "Allmächtig"., und das ist ein
tolles Gefühl.
Du kannst von einem Hochhaus springen, ohne dir darüber Gedanken zu machen, wie
du unten ankommst.
Du springst einfach, und vertraust auf Gott. Alles kannst du dir erlauben.
Du bist "Ver-rückt" und verrückte machen einfach solche Dinge.
Werde ich es vielleicht irgendwann schaffen, ...in der Manie?
Das ist schon eine verrückte Frage. Aber "Ver-rückte" stellen sich einfach solche Fragen.
Warum stelle ich mir überhaupt diese Frage? Bin ich Verrückt?
Es sind einfach die Gedanken ,die mich nachts
quälen wenn ich nicht schlafen kann.
Da sind so viele Fragen über meine "Krankheit". Über mein krankes Leben?
Fragen darüber, was meine Familie schon alles durchmachen mußte...
Und immer bin ich Schuld...Und Schuld ist
eine schlimme Sache.
Sich schuldig zu fühlen kann krank machen, depressiv.
Schuld...Und es war immer meine Schuld.
Ich bin schuld am Elend meiner Mutter. Meines Vaters?
Ich habe mich schuldig gemacht an meinen Kindern, meinem Mann, meiner Familie...
Die Schuld lastet auf mir wie ein großer Sandsack, indem ich mich so gerne verkriechen möchte... manchmal..
Es ist ein Teil der Depression, sich immer und für alles schuldig zu fühlen.
Ich bin Depressiv....Suizid gefährdet... muss in
die Klinik...die Zeit und die Medikamente
werden mir wieder helfen. Und die Ärzte. Die Zeit: 4,6,8 Wochen? Sie rennt mir
davon.
Die Medizin hat mal wieder geholfen. Es geht mir
gut. Es geht mir sogar immer besser.
Jetzt muss ich die verlorene Zeit nachholen.
Aber hoppla! Jetzt geht es mir "ZU GUT" .
Ich muß wieder in die Klinik. Sie müssen
mich schützen, die Psychiater.
Und wer schützt mich vor ihnen?
Sie sind
allmächtig... in der Klinik. Ich bin krank. Trotz Medikamente habe ich
einen Rückfall bekommen.
Der "Fall" war ganz schön hart. Ich bin sehr tief gefallen...bis runter in die
P1. Und tiefer kann man , glaube ich, gar nicht fallen.
Aber wenn man so Krank" ist, kann man "draußen", in der "normalen" Welt nicht mehr leben. Sie müssen dich schützen.
SIE, das sind deine Familie, die Freunde, die
Psychiater. Sie wollen dir ja nur helfen... mit der "P1".
Also, Augen zu und durch. Am besten machst du auch noch die Ohren zu, damit du
nicht die Schreie hörst auf dieser Station
Deine Schreie hört keiner, das weißt du schon lange, aus Erfahrung.
P .1.:
Jetzt muß du dich "normal" benehmen, deine Medikamente schlucken, nicht mit den
Ärzten streiten,
deine Therapien machen und dich auch ab und zu wieder waschen, ordentlich
anziehen, ein bißchen schminken vielleicht.
Erst wenn du wieder "Sauber" und einsichtig bist,
kommst du endlich auf eine "Offene" Station. Wie lange du da noch bleiben mußt,
hängt jetzt ganz alleine von dir ab. Wenn du Glück hast, , bist du in ein paar
Wochen wieder draußen.
Es ist auch sehr wichtig die richtige Tür zu finden. Den endgültigen Ausgang.
Es gibt da nämlich zwei Türen.
„Geht ein durch die enge Pforte; denn weit
ist die Pforte und breit der Weg, der zum Verderben führt, und viele sind es ,
die auf ihm hineingehen. Denn eng ist die Pforte und schmal der Weg, der
zum Leben führt, und wenige sind es, die ihn finden“ (Mt. 7, 13-14)
Ich bin das letzte Mal durch die Kleine Tür gegangen.Der Weg war schmal, rechts und links hatte ich Angst... da waren so tiefe Abgründe.
Und ich habe die kleine Tür hinter mir abgeschlossen.
Früher bin ich, wie die meisten Patienten, gleich zur großen Tür gerannt. Ist doch klar. Ganz schnell raus hier.
Ich bin "Draußen", Habe es einmal wieder geschafft.
Und ich habe beschlossen keine Medikamente mehr zu nehmen. Oder fast...
Ich werde selbst bestimmen was und wann ich etwas brauche.
Ich werde mir den Rat meines Psychiaters anhören
aber selbst entscheiden wie ich meine Medikamente einnehme .
Ich werde die Höhe der Dosierung selbst bestimmen und dem Arzt berichten
wie ich damit klar komme.
Die ständig neuen Erkenntnisse, machen es mir
nicht leicht, meinem Psychiater voll zu vertrauen.
Er hat das Wissen, auch die Erfahrung, doch ich bin mir selbst die Nächste. Ich
kenne meinen Körper, meinen „Zustand“,
versuche mir so gut ich kann selber zu helfen. Wenn ich nicht weiter weiß, hol
ich mir seinen Rat oder gehe wieder in die Klinik...
Ziehe mich zurück...aus der normalen Welt. Es sind jetzt schon fast vier Jahre
her, daß ich in stationärer Behandlung war. .. Das ist gut.
Schon vier Jahre. Und doch hatte ich schlimme Zeiten, die ich ohne die Hilfe meiner Familie nicht überstanden hätte.
... Gut daß es sie gibt.
Ich werde mich immer wieder bemühen meine Krankheit oder Zustand zu akzeptieren. Ich muß einfach damit leben lernen.
... Und ich wünsche mir, daß die Menschen draußen
, in der „Normalen Welt“ mich endlich so akzeptieren wie ich bin.
Daß sie auch Rücksicht nehmen auf mich.
Man hat mich gelehrt, Rücksicht zu nehmen, auf die
Menschen. Und ich habe immer versucht den Anderen zu respektieren,
Ich habe mich jedenfalls darum bemüht.
...Doch ich Närrin hatte doch ganz vergessen , daß ich auch ein Mensch bin.
AMEN. (22.08.2002 )

( Korrigiert am 12.12.2003)
(Überarbeitet am 18. 05. 2004)
" " 07. 12. 2004.