Die Bipolar Affektive Störung
Die "Cocktailhypothese"
Die "Mischung" macht es aus, ähnlich wie beim Mischen eines Cocktails.

Aus der Ferne gesehen, ergibt sich eine ziemlich einheitliche Färbung.
Bei genauerem Hinsehen kann man jedoch viele verschiedene Bestandteile erkennen.
Diese entsprechen verschiedenen Erbanlagen - Genen.
Viele davon haben überhaupt nichts mit bipolaren Erkrankungen zu tun,
andere lösen Teilaspekte davon aus, andere wiederum schützen:
![]()
![]()
........
Gene, die nichts mit bipolarer Erkrankung zu tun haben.
![]()
![]()
........
Gene, die Teilaspekte der bipolaren Erkrankung auslösen
![]()
![]()
........
Gene, die Teilaspekte der bipolarern Erkrankung verhindern können (schützen)
Wenn nun die "bipolar Gene" überwiegen, wird der Cocktail überwiegend rot -
bipolar.

Wenn viele Schutzgene vorhanden sind, geht die Farbe eher ins bläuliche -
die Erkrankung bricht nicht aus. Sie kann allerdings weitervererbt werden, denn
die "Bipolar-Gene" sind ja da, wenn auch "versteckt". Wenn nicht gleichzeitig
die Schutzgene mitvererbt werden, können Kinder "nichterkrankter" Eltern
betroffen sein.

Wenn nur ganz wenige Bipolar-Gene vorhanden sind, wird man kaum eine
"Rotfärbung" des
Cocktails merken. Allerdings kann es sein, daß einerseits von Vaterseite,
andererseits von Mutterseite
alle diese wenigen Bipolargene vererbt werden und in den Nachkommen dann
wiederum ausreichen,
die "kritische Masse" zu überschreiten.
Komorbidität:
Einige Bipolar-Gene haben unter Umständen auch noch andere Auswirkungen.
So werden einige Aspekte schizophrener Erkrankungen wahrscheinlich durch
Gene
bedingt, die auch eine Rolle bei Bipolaren spielen (siehe auch:
Neues aus der Forschung)
Ebenso gibt es Hinweise für Überlappungen mit:
- rezidivierenden Depressionen
- saisonaler Depression
- postpartaler Psychose
- Angst- und Zwangserkrankungen
- Substanzmißbrauch/Sucht
- eventuell auch emotional instabiler Persönlichkeit
Daher treten alle diese Erkrankungen ziemlich häufig zusammen mit Bipolaren
Erkrankungen
beziehungsweise zum Teil auch vermehrt bei Blutsverwandten auf.
Epigenetische Faktoren
Weiters gibt es sogenannte epigenetische Faktoren.
Das sind Faktoren, die -vereinfacht ausgedrückt - Gene "an- und ausschalten"
können.
Dazu können beispielsweise auch alle möglichen Umweltfaktoren
zählen, wie
Nahrung, Medikamente, Drogen, Schlaf, Biorhythmus, Licht, Infekte, aber auch
Psychotherapie und Sozialkontakte.
Wenn sich solche epigenetischen Faktoren günstig auswirken, können sie - wieder
stark vereinfacht -
Bipolar-Gene ausschalten, bzw. in Schach halten und Schutzgene aktivieren.
Ungünstige epigenetische
Faktoren jedoch können genau das Gegenteil bewirken.
Auszuschließen ist aber, daß BP direkt durch "schlechte Erziehung" oder
traumatische Erlebnisse in der Kindheit entsteht.
Im Klartext: wer keine Bipolar-Anlage in sich trägt, den werden solche
traumatischen Erlebnisse nicht glücklich machen,
aber eben auch keine bipolare Erkrankung auslösen.
Das Vorhandensein epigenetischer Faktoren zeigt auch, daß man seiner Anlage
(seinen Genen) nicht zu 100%
schicksalhaft ausgeliefert ist. Vielmehr kann man durch gezieltes ausnützen
ebendieser Faktoren oft den
Verlauf günstig beeinflussen. Dies zeigt, wie wichtig in der Behandlung die
Berücksichtigung verschiedener Aspekte ist:
medikamentöse Therapie, aber auch Psychotherapie, soziale Kontakte, Ernährung,
Biorhyrthmen etc.
Wir bemühen
uns, in diesem Forum in Zukunft wichtige neue Erkenntnisse über die Entstehung
der Erkrankung,
aber auch über neue Behandlungsmöglichkeiten
für alle leicht zugänglich online zu stellen.
Einen Überblick über einige Erkenntnisse au der Forschung gibt es
hier
» zurück