VON DER BESTIE „MDK“ UMKLAMMERT

 

MDK hat zwei Seiten und sie ist völlig unberechenbar, lauert aber stets im verborgenen auf ihr Opfer.
Und dieses Opfer bin in diesem Falle ich, schon so lange ich denken kann und das ist schon ganz schön lange, glauben Sie mir.
Denn die Blüte meiner Jahre ist  vorüber; jetzt wäre schon die Reife angesagt.
Aber mit der Reife ist das eben so eine Sache; für ein Frauenleben bedeutet es eben nicht mehr jung,
aber auch noch nicht alt und weise. – Na ja.

Ein Zwischenstadium vielleicht, wie es so manche im Leben gibt.

 

Zurück zu meinem Feind: der Bestie, der ich weitgehend machtlos ausgeliefert bin.

Wenn sie aus ihrer Ruhezeit erwacht und beschließt mich zu quälen, kann ich nichts

dagegen setzen. MDK erwacht aus ihrem Dämmerschlaf in der finsteren Höhle in meinem

Innern, streckt ihre Glieder, schüttelt sich und schon ist sie bereit für ihren Überfall auf

meine gesamte Person, auf mich als ganzen Menschen. Sie streckt ihre behaarten Vordertatzen
mit ihren scharfen Krallen dran nach meinem Herz und nach meinem Gehirn
und umklammert mit den hinteren Extremitäten meinen übrigen

Körper, sodass in mir nur noch Angst und Leid, fallweise auch totale Leere entsteht. 

 Die Bestie öffnet ihren Mund und ich fürchte, dass sie mich gierig verschlingen wird.

 

Zum Bild des“ Verschlingenwerdens“ fällt mir am Abend nach unserer Bibelrunde plötzlich der Prophet Jona ein,
der von einem Wal verschlungen wird, weil er sich zunächst der Berufung Gottes, d.h. eigentlich Seinem Auftrag
nicht gewachsen fühlt und sich widersetzt.
Gott schickt ihm den Wal, in dessen Bauch er  drei Tage verbringt und dann wieder an Land gespuckt wird.
Vielleicht geht es auch in meinem Leben wieder einmal um die Frage nach dem Sinn,

der Berufung, dem Auftrag ?

 

 

Von dieser Bestie MDK besetzt trotzt meine Person von Depressionen erfüllt jedem schönem Wetter,
gutem Zuspruch, jeder Aufforderung, sich zu aktivieren.
Es ist nur mehr die Flucht ins Bett, ins Warme, ins Geborgene, ins Heimelige, in den Schlaf ins Unbewusste,
nicht die Depression fühlen müssen möglich, und das für mehrere Tage; oft hintereinander.
Manchmal gelingt es einer lieben Freundin für ein zwei Stunden die Bestie kurz in den Hintergrund zu drängen
und es wird möglich, kurz die Wohnung, das Bett zu verlassen und sich wieder dem Außen zu öffnen.

 

Nach etwa 10 Tagen oder mehr, wenn die erhöhte Dosierung der Antidepressiva ihre Wirkung tut,
dann verzieht sich die Bestie wieder ins Innere in ihre Höhle zu einem weiteren Dämmer-Schlaf.
Dann werden Herz und Hirn wieder freier, beweglicher.  Oft taucht dann die MDK-Bestie
mit einem anderen, milderen Gesicht neu wieder auf: dann werden meine Nächte sehr kurz,
der Schlaf wird dann zu wenig. Das bekommt zwar  der Kreativität beinhaltet aber auch immer die Angst
vor einem Kippen in eine Manie und damit auch Angst vor einer Psychose.
Die Bestie tritt mir also mit verschiedenen Gesichtern entgegen.
Immer ist sie die Überlegene, die Stärkere, denn ich kann nur reagieren auf ihr agieren.
Deshalb muss ich sehr wachsam sein und geduldig und vor allem sollte ich auch nie die Hoffnung aufgeben
in diesen Durststrecken der wiederkehrenden Depressionen.
Denn die Erfahrung hat mir ja schon so oft gezeigt, dass auch diese vorübergehen,
aber ebenso auch wiederkehren.

 

09/2004                                            Anna Maria D.

 

 

 

 

 

 

 


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